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Notfallversorgung für Kinder in Köln: Wann in die Notaufnahme, wann den Arzt rufen?

· Dr. med. Heribert Wenning
Notfallversorgung für Kinder in Köln: Wann in die Notaufnahme, wann den Arzt rufen?

Wenn ein Kind mitten in der Nacht hohes Fieber bekommt oder plötzlich anfängt zu schreien, ohne aufzuhören – dann setzt bei den meisten Eltern sofort der Instinkt ein: Wir müssen jetzt sofort etwas tun. Doch wohin genau? In die Notaufnahme fahren, den Notarzt rufen, die Kinderarztpraxis anrufen oder doch erst einmal abwarten? Diese Entscheidung fällt gerade nachts oder am Wochenende schwer. Dieser Ratgeber hilft Ihnen, in Köln die richtige Wahl zu treffen.

Die wichtigsten Notrufnummern im Überblick

Bevor wir auf die inhaltliche Entscheidung eingehen, sollten diese Nummern fest in Ihrem Gedächtnis – oder im Telefon – gespeichert sein:

  • 112 – Europaweiter Notruf für lebensbedrohliche Situationen (Feuerwehr & Rettungsdienst)
  • 116 117 – Ärztlicher Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung, bundesweit, rund um die Uhr
  • 0221 / 19 240 – Ärztlicher Bereitschaftsdienst Köln (regionaler Vermittlungsdienst)
  • 0228 / 19 240 – Giftnotruf Bonn (zuständig für NRW, 24/7)

Die 116 117 ist in vielen Situationen der erste und richtige Anruf – Fachpersonal berät Sie telefonisch und entscheidet, ob ein Hausbesuch, eine Bereitschaftspraxis oder die Notaufnahme die passende Anlaufstelle ist.

Wann sofort den Notruf 112 wählen?

Manche Situationen dulden keinen Aufschub. Rufen Sie sofort den Rettungsdienst, wenn Ihr Kind:

  • bewusstlos ist oder nicht ansprechbar wirkt
  • nicht mehr oder sehr schwer atmet – blaue Lippen, Einziehungen am Brustkorb, Keuchen
  • Krampfanfälle hat, die länger als fünf Minuten andauern
  • stark blutet und die Blutung sich nicht stillen lässt
  • etwas verschluckt hat, das die Atemwege blockiert (Erstickungsgefahr)
  • Verbrennungen im Gesicht, an Händen oder im Genitalbereich hat, oder wenn mehr als 5 % der Körperoberfläche betroffen sind
  • vergiftet wurde und bewusstseinsverändert oder schläfrig wirkt

In diesen Fällen gilt: Kein Auto, kein Taxi – Rettungswagen rufen und beim Kind bleiben.

Schock-Zeichen erkennen

Ein Kind im Schock ist blass, kalt-schweißig, hat schnellen Puls und reagiert kaum auf Ansprache. Auch das ist ein Fall für die 112 – sofort.

Wann in die Notaufnahme?

Die Kinderkliniken in Köln – darunter die Uniklinik Köln und das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße – haben rund um die Uhr Bereitschaft. Fahren Sie direkt hin, wenn:

  • hohes Fieber bei einem Säugling unter drei Monaten auftritt (ab 38 °C)
  • das Kind trotz Fiebermittel über 40 °C Fieber hat und sich deutlich verschlechtert
  • Fieberkrämpfe aufgetreten sind (auch wenn das Kind danach schläft – zur Kontrolle vorstellen)
  • das Kind seit Stunden anhaltend erbricht und nichts trinken kann (Dehydrationsgefahr)
  • starke Bauchschmerzen vorhanden sind, besonders wenn der Bauch hart und brettartig wirkt
  • ein Körperteil nach einem Sturz stark geschwollen oder fehlgestellt ist (Verdacht auf Fraktur)
  • ein Hautausschlag sich blitzartig ausbreitet, vor allem wenn er nicht wegdrückbar ist (Sepsis-Zeichen)
  • das Kind ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat: Erbrechen nach Sturz, Gedächtnislücken, Bewusstlosigkeit – auch kurz

Ein nützlicher Orientierungspunkt: Wann ist ein Arztbesuch zwingend? – die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung listet dort konkrete Warnsymptome nach Körperregionen auf.

Wann reicht ein Hausbesuch oder Bereitschaftsdienst?

Die meisten nächtlichen Kinder-Krankheitssituationen sind ernst genug, um elterliche Sorge zu berechtigen – aber nicht lebensbedrohlich genug für die Notaufnahme. In diesen Fällen ist ein mobiler Kinderarzt oder der ärztliche Bereitschaftsdienst die bessere Wahl:

  • Fieber zwischen 38,5 °C und 40 °C bei Kindern über drei Monaten, wenn das Kind trinkfreudig und reaktiv bleibt
  • Ohrenschmerzen oder Halsschmerzen mit Schluckschwierigkeiten
  • Atemwegsinfekt mit starkem Husten, aber ohne Atemnot
  • Erbrechen oder Durchfall, solange das Kind noch Flüssigkeit zu sich nimmt
  • Hautausschläge, die sich nicht verändern und drückbar sind
  • Unklare Schmerzen, die aber kein akutes Notfallbild zeigen

Gerade für Familien in Köln und Umgebung ist hier ein mobiler Kinderarztbesuch eine erhebliche Erleichterung: Das kranke Kind muss nicht in der Nacht aus dem Bett gehoben, angezogen und in die Kälte gebracht werden. Ein Arzt kommt direkt nach Hause, untersucht das Kind in seiner vertrauten Umgebung und entscheidet vor Ort, ob eine Einweisung nötig ist oder eine Behandlung zuhause ausreicht.

Das Fieber-Dilemma: Häufigste Fehlerquelle

Fieber verunsichert Eltern mehr als fast jedes andere Symptom – und das zu Recht, denn es gibt sehr unterschiedliche Situationen. Die Grundregel lautet:

Nicht die Zahl auf dem Thermometer entscheidet, sondern das Gesamtbild des Kindes.

Ein Kind mit 39,5 °C, das noch spielt, trinkt und auf Ansprache reagiert, ist medizinisch anders zu bewerten als ein Kind mit 38,8 °C, das teilnahmslos daliegt und kaum zu wecken ist. Letzteres gehört sofort zu einem Arzt.

Die Ausnahme: Neugeborene und Säuglinge unter drei Monaten. Hier ist jede Temperatur ab 38 °C ein Notfall – das Immunsystem ist noch nicht ausgereift, und Infektionen können sich in diesem Alter rasend schnell verschlechtern.

Häufige Elternfehler in der Kindernotfall-Situation

„Wir warten noch bis morgen früh"

Nachvollziehbar – aber bei bestimmten Symptomen fatal. Vor allem Anzeichen für eine Hirnhautentzündung (steifer Nacken, Lichtscheu, petechiale Einblutungen in der Haut, hohes Fieber mit Bewusstseinstrübung) dürfen nicht abgewartet werden.

„In die Notaufnahme ist es schneller"

Viele Eltern fahren direkt in die Klinik, obwohl ein Anruf bei der 116 117 gereicht hätte. Das überlastet die Kinderkliniken und bedeutet oft stundenlange Wartezeiten für alle – auch für echte Notfälle.

„Der Notruf ist übertrieben"

Lieber einmal zu früh als zu spät anrufen. Rettungsdienstleitstellen sind geschult darin, am Telefon einzuschätzen, ob ein Einsatz nötig ist. Ein Anruf schadet nie.

Köln: Strukturen, die Eltern kennen sollten

Köln hat mehrere Anlaufstellen für kranke Kinder außerhalb der regulären Praxiszeiten:

  • Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße (Riehl) – 24h-Notaufnahme für Kinder und Jugendliche
  • Uniklinik Köln – Pädiatrische Notaufnahme
  • Bereitschaftspraxis Köln-Mitte (in Praxen der KVNO) – für nicht lebensbedrohliche Fälle außerhalb der Öffnungszeiten, vermittelt über 116 117

Das Konzept des mobilen Kinderarztes ergänzt dieses Netz sinnvoll: Besonders für Kleinkinder und Säuglinge, bei denen jede Fahrt durch die Stadt eine Strapaze bedeutet, ist der Arzt-Hausbesuch oft die schonendste und effektivste Versorgungsoption.

Weiterführende Informationen zu Notfallsituationen mit Kindern bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter kindergesundheit-info.de/notfallsituationen.

Vorbereitung ist der beste Notfallplan

Eltern, die im Voraus wissen, wen sie in welcher Situation anrufen, handeln in der Stresssituation ruhiger und schneller. Empfehlenswert ist eine kleine „Notfallkarte" am Kühlschrank oder als Foto im Handy:

  1. 112 – lebensbedrohlich
  2. 116 117 – krank, aber stabil
  3. Mobiler Kinderarzt / Praxisnummer – vertrauter Ansprechpartner
  4. Giftnotruf 0228 / 19 240 – bei Verdacht auf Vergiftung
  5. Krankenhaus-Notaufnahme – wenn persönliche Untersuchung nötig, aber kein Notarzt

Wer diese Nummern kennt und weiß, wann welche passt, spart wertvolle Zeit – und schützt sein Kind.