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Impfungen bei Kindern: STIKO-Empfehlungen einfach erklärt

· Dr. med. Heribert Wenning
Impfungen bei Kindern: STIKO-Empfehlungen einfach erklärt

Wenn das Kind krank ist, hat man als Elternteil schon genug um die Ohren. Der Gedanke, auch noch den Impfpass herauszusuchen und zu prüfen, ob alle Impfungen aktuell sind, rückt dann schnell in den Hintergrund. Dabei ist ein vollständiger Impfschutz gerade im Kleinkindalter besonders wichtig – denn viele Erkrankungen verlaufen in den ersten Lebensjahren deutlich schwerer als später.

Was ist die STIKO und warum gelten ihre Empfehlungen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) ist ein unabhängiges Expertengremium am Robert Koch-Institut. Sie bewertet laufend die verfügbaren wissenschaftlichen Daten zu Impfstoffen und gibt auf dieser Grundlage Empfehlungen heraus, welche Impfungen für welche Altersgruppen sinnvoll sind.

Der daraus resultierende Impfkalender ist gewissermaßen der Fahrplan für den Impfschutz Ihres Kindes – von den ersten Wochen nach der Geburt bis ins Jugendalter. Er wird mindestens einmal jährlich aktualisiert, wenn neue Erkenntnisse oder zugelassene Impfstoffe dies erfordern.

Empfehlungen der STIKO haben eine besondere rechtliche Bedeutung: Gesetzliche Krankenkassen sind in der Regel verpflichtet, die darin genannten Impfungen zu übernehmen. Für Kinder bedeutet das: Alle Standardimpfungen kosten die Eltern nichts.

Der Impfplan im Überblick

Die ersten Lebensmonate: Grundimmunisierung

Bereits im Alter von sechs Wochen beginnt die erste Impfung – bei Frühgeborenen sogar noch früher. Die Grundimmunisierung im Säuglingsalter schützt gegen gleich mehrere Krankheiten auf einmal, denn moderne Kombinationsimpfstoffe machen es möglich.

Der sogenannte 6-fach-Impfstoff gehört zu den wichtigsten Impfungen überhaupt. Er schützt gleichzeitig gegen:

  • Diphtherie
  • Tetanus (Wundstarrkrampf)
  • Keuchhusten (Pertussis)
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung)
  • Haemophilus influenzae Typ b (Hib)
  • Hepatitis B

Das Schema sieht Impfungen im zweiten, vierten und elften Lebensmonat vor. Zusätzlich wird im dritten und vierten Lebensmonat gegen Pneumokokken geimpft, ebenfalls mit Auffrischung im zweiten Lebensjahr.

Ab dem ersten Lebensjahr: MMR und Windpocken

Ab dem vollendeten elften Lebensmonat steht die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) auf dem Plan, oft kombiniert mit dem Schutz gegen Windpocken (MMRV). Zwei Dosen sind notwendig, um einen zuverlässigen Schutz aufzubauen – die zweite sollte bis spätestens zum 23. Lebensmonat erfolgen.

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Komplikationen wie Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen oder im schlimmsten Fall eine Gehirnentzündung sind möglich. Deshalb legt die STIKO besonderen Wert auf eine vollständige Grundimmunisierung vor dem Kindergarteneintritt.

Auffrischimpfungen im Schulalter

Mit etwa fünf bis sechs Jahren – kurz vor der Einschulung – sind Auffrischungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Polio vorgesehen. Im Jugendalter zwischen neun und 17 Jahren folgen weitere Auffrischungen sowie die Impfung gegen Meningokokken und Humane Papillomviren (HPV).

Nachholimpfungen: Es ist nie zu spät

Manchmal fehlt eine Impfung, weil ein Termin versäumt wurde, das Kind krank war oder die Familie erst kürzlich nach Deutschland gezogen ist. Kein Grund zur Sorge – die STIKO hat für solche Fälle klare Nachholempfehlungen. Grundsätzlich gilt: Jede fehlende Impfung kann nachgeholt werden, das Schema muss nicht von vorne begonnen werden.

Ein Blick in den Impfpass zeigt schnell, welche Impfungen noch ausstehen. Fehlt der Impfpass, können viele Impfungen über frühere Arztpraxen rekonstruiert oder Antikörpertests zur Überprüfung des vorhandenen Schutzes durchgeführt werden.

Impfen beim Hausbesuch – praktisch und stressfrei

Viele Eltern kennen die Situation: Das Kind ist ohnehin gerade etwas angeschlagen, hat Fieber oder ist quengelig – und gleichzeitig steht ein Impftermin in der Praxis an. Der Weg dorthin, das Warten im Wartezimmer und das Einchecken mit einem weinenden Kind ist für alle Beteiligten belastend.

Ein Kinderarzt-Hausbesuch kann hier eine echte Erleichterung sein. Impfungen lassen sich problemlos auch zu Hause durchführen – in einer vertrauten Umgebung, ohne Wartezeit und ohne Ansteckungsrisiko durch andere Patienten im Wartezimmer. Gerade für Säuglinge, die noch keine gefestigte Immunabwehr haben, ist das ein echter Vorteil.

Übrigens eignet sich ein Hausbesuch auch hervorragend dazu, den Impfpass einmal in Ruhe durchzusehen und zu besprechen, ob alle Impfungen dem aktuellen STIKO-Stand entsprechen. So lassen sich Lücken frühzeitig schließen, bevor sie zum Problem werden.

Häufige Fragen rund ums Impfen

Darf man impfen, wenn das Kind erkältet ist?

Leichte Erkältungssymptome ohne Fieber sind in der Regel kein Grund, eine Impfung zu verschieben. Bei Fieber über 38,5 °C oder akuten schweren Infektionen sollte die Impfung jedoch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Wie reagiert der Körper nach einer Impfung?

Rötung, Schwellung oder leichter Schmerz an der Einstichstelle sind normale Reaktionen und kein Grund zur Beunruhigung. Auch leichtes Fieber in den ersten ein bis zwei Tagen nach der Impfung ist häufig und zeigt, dass das Immunsystem reagiert. Anhaltende oder starke Reaktionen sollten ärztlich abgeklärt werden.

Kann man mehrere Impfungen gleichzeitig geben?

Ja. Kombinationsimpfstoffe sind bewusst so entwickelt worden, damit Kinder nicht unnötig viele einzelne Injektionen benötigen. Das Immunsystem ist ohne weiteres in der Lage, auf mehrere Impfstoffe gleichzeitig zu reagieren.


Den aktuellen Impfkalender der STIKO finden Sie jederzeit auf der Website des Robert Koch-Instituts. Ausführliche Informationen zu einzelnen Impfungen für Kinder bietet außerdem das Informationsportal impfen-info.de.