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Häufige Kinderkrankheiten: Symptome erkennen und richtig handeln

· Dr. med. Heribert Wenning
Häufige Kinderkrankheiten: Symptome erkennen und richtig handeln

Kranke Kinder sind für Eltern eine der größten Herausforderungen — besonders wenn man nicht weiß, ob es sich um einen harmlosen Schnupfen handelt oder um etwas, das ärztliche Aufmerksamkeit braucht. Dieser Ratgeber gibt einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten, erklärt, woran man sie erkennt, und zeigt, wann ein Arzt hinzugezogen werden sollte.

Mittelohrentzündung (Otitis media)

Die Mittelohrentzündung gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Kinder unter fünf Jahren sind besonders anfällig, weil ihre Eustachischen Röhren kürzer und horizontaler verlaufen als bei Erwachsenen — Bakterien und Viren finden so leichter den Weg vom Rachen ins Mittelohr.

Typische Symptome

  • Plötzlich einsetzende, oft stechende Ohrenschmerzen
  • Fieber (meist 38–39 °C)
  • Das Kind greift sich ans Ohr oder schüttelt den Kopf
  • Säuglinge trinken schlechter, sind auffällig unruhig oder schreien anhaltend
  • Gelegentlich Ausfluss aus dem Ohr, wenn das Trommelfell einen Riss bekommt

Was Eltern tun können

Kühle Umschläge helfen selten — Wärme hingegen (z. B. ein Wärmekissen auf niedrigster Stufe) kann die Schmerzen lindern. Abschwellende Nasentropfen erleichtern den Druckausgleich. Aber: Eine eitrige Mittelohrentzündung erfordert ärztliche Beurteilung. Nicht jede Otitis media braucht sofort Antibiotika, aber das entscheidet der Kinderarzt.

Zum Arzt, wenn: das Fieber über 39 °C steigt, das Kind sehr schwach wirkt, die Schmerzen sich nicht bessern oder Ausfluss aus dem Ohr auftritt.


Scharlach

Scharlach wird durch Streptokokken verursacht und ist eine klassische Kinderkrankheit, die trotz des altertümlichen Namens heute noch häufig vorkommt — vor allem im Herbst und Winter.

Typische Symptome

  • Plötzliches hohes Fieber und Halsschmerzen
  • „Himbeerzunge": die Zunge wird zunächst weiß belegt, später tiefrot mit erhabenen Geschmacksknospen
  • Feinfleckiger, rauer Ausschlag, der vom Rumpf auf den ganzen Körper übergehen kann — das Munddreieck bleibt typischerweise frei
  • Geschwollene Mandeln, oft mit Belägen

Was Eltern tun können

Scharlach ist eine bakterielle Erkrankung und muss mit Antibiotika behandelt werden — meist Penicillin über zehn Tage. Ohne Behandlung kann es zu Komplikationen wie Rheumatischem Fieber oder Nierenentzündung kommen. Das Kind bleibt für mindestens 24 Stunden nach Beginn der Antibiotikaeinnahme ansteckend und sollte Kita oder Schule fernbleiben.

Zum Arzt, wenn: sich die beschriebenen Symptome zeigen. Scharlach gehört zwingend in ärztliche Behandlung.


Bronchitis

Eine Bronchitis — die Entzündung der Bronchien — entsteht meist als Folge einer Erkältung. Kleinkinder haben häufiger Bronchitiden als ältere Kinder, weil ihre Atemwege noch enger sind.

Typische Symptome

  • Anhaltender, zunächst trockener, dann produktiver Husten
  • Raues, pfeifendes Atemgeräusch
  • Leichtes bis mäßiges Fieber
  • Allgemeines Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit

Die meisten Bronchitiden bei Kindern sind viral — Antibiotika helfen also nicht. Eine Sonderform ist die obstruktive Bronchitis, bei der die Bronchien verkrampfen und das Ausatmen erschwert wird. Sie klingt nach Pfeifen oder Brummen aus der Brust und kommt vor allem bei Kleinkindern vor.

Was Eltern tun können

Feuchte Raumluft (z. B. durch ein feuchtes Tuch auf dem Heizkörper), viel Trinken und Ruhe helfen dem Körper, die Infektion zu überwinden. Hustensäfte aus der Apotheke können lindernd wirken, sind aber kein Muss. Inhalationen mit Kochsalzlösung können die Schleimhäute befeuchten.

Zum Arzt, wenn: das Kind schnell atmet (mehr als 50 Atemzüge pro Minute bei Säuglingen), die Lippen bläulich werden, beim Einatmen die Haut zwischen den Rippen eingezogen wird, das Fieber über drei Tage anhält oder das Kind sichtbar erschöpft wirkt.


Magen-Darm-Infekte (Gastroenteritis)

Kein Thema, das Eltern mehr auf Trab hält: Erbrechen und Durchfall, häufig kombiniert. Magen-Darm-Infekte sind bei Kindern extrem verbreitet — ein Kleinkind in der Kita erlebt im Schnitt mehrere pro Jahr.

Typische Symptome

  • Plötzliches Erbrechen, teils explosionsartig
  • Wässriger Durchfall, mehrmals täglich
  • Krampfartige Bauchschmerzen
  • Fieber (nicht immer)
  • Appetitlosigkeit

Was Eltern tun können

Die wichtigste Maßnahme ist Flüssigkeitsersatz. Kinder — vor allem Säuglinge — können schnell austrocknen. Kleine Schlucke Wasser, Fencheltee oder spezielle Elektrolytlösungen aus der Apotheke (wie Oralpädon oder Elotrans) sind besser als Cola oder gesüßte Säfte. Feste Nahrung kann angeboten werden, sobald das Kind es verlangt — die alte „Nulldiät" ist überholt.

Zum Arzt, wenn: ein Säugling unter sechs Monaten betroffen ist, das Kind Zeichen der Austrocknung zeigt (trockene Schleimhäute, keine Tränen, sehr selten Urin, eingefallene Fontanelle bei Babys), der Durchfall blutig ist, das Fieber über 39 °C steigt oder die Symptome nach 48 Stunden nicht nachlassen.


Fieber bei Kindern: Wann ist es gefährlich?

Fieber ist kein Feind — es ist eine Abwehrreaktion des Körpers. Ab 38,5 °C spricht man von Fieber, aber allein die Zahl sagt wenig. Entscheidend ist, wie sich das Kind verhält.

Zeichen Handlung
Kind spielfreudig trotz Fieber Beobachten, viel Trinken
Fieber > 39,5 °C, kind apathisch Kinderarzt kontaktieren
Fieber > 40 °C Sofortiger Arztkontakt
Fieberkrampf Notruf 112
Steifer Nacken + Fieber Notruf 112 — mögliche Meningitis

Fieberzäpfchen oder -saft (Ibuprofen oder Paracetamol, nach Körpergewicht dosiert) senken das Fieber und verbessern das Wohlbefinden — sie bekämpfen aber nicht die Ursache.


Wann sofort zum Arzt — die wichtigsten Warnsignale

Manche Symptome erfordern keine Beobachtung, sondern sofortiges Handeln:

  • Atemnot oder blaue Lippen
  • Hohes Fieber bei Neugeborenen und Säuglingen unter drei Monaten (ab 38 °C)
  • Steifer Nacken in Verbindung mit Fieber
  • Nicht wegdrückbarer Hautausschlag (petechiale Blutungen — mögliche Sepsis)
  • Starke Benommenheit oder Bewusstlosigkeit
  • Anhaltendes Schreien bei Säuglingen ohne erkennbaren Grund

Einen umfassenden Überblick über Krankheitszeichen und Erkrankungen im Kindesalter bietet auch die Seite kindergesundheit-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung — gut aufbereitet für Eltern.


Kranke Kinder brauchen vor allem eines: ruhige, verlässliche Eltern. Wer die häufigsten Symptome kennt und weiß, wann er Hilfe holen sollte, ist bereits gut aufgestellt. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu früh beim Kinderarzt angerufen als einmal zu spät.